Peenestrom – Ein Topgewässer im Norden!

Angeln in Usedom- Perle im Nordosten

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Der Peenestrom

Heute möchte ich euch eine Region unserer Republik vorstellen, wo manch einer vielleicht schon mal einen Strandurlaub mit der Familie gemacht hat. Dass man dort aber neben den jährlich meisten Sonnentagen unseres Landes auch ein erstklassiges Angelrevier vorfindet, wissen noch nicht alle. Viel Spaß mit den folgenden Zeilen und falls es euch mal dorthin verschlagen sollte, dann natürlich viel Erfolg beim Spinnfischen an diesem Traumgewässer!

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Ein gutes Boot ist am Peenestrom Gold wert!

Mein Kumpel „Jil Zander“ hatte mir schon vor ca. 10 Jahren regelmäßig Fotos von großen Zandern und Hechten unter die Nase gehalten. Alle aus diesem für mich damals noch unbekannten Gewässer namens Peenestrom . Zu dieser Zeit war ich ausschließlich mit dem Karpfenangeln beschäftigt. Doch das sollte sich schnell ändern. Mein Interesse für die moderne Spinnangelei nahm zu und nach etlichen Fangstorys und noch mehr Fotos von riesigen Raubfischen stand für mich irgendwann fest: Da fährst du jetzt auch mal mit.
Nach meiner Ankunft und den ersten Angeltagen musste ich erst mal feststellen, dass ich einen langen Weg vor mir haben und es in Bezug auf die von mir befischten Spezies einiges zu lernen geben würde. So einfach war es dann nämlich doch nicht. Die Fische wollten, wie an jedem anderen Gewässer erst mal gefunden und dann auch noch gefangen werden. Und dann war da noch diese doofe, ständig wechselnde Strömung, von der ich euch gleich noch mehr berichten werde.

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Barsch-Alarm am Peenestrom

Trotzdem fing ich gleich am ersten Tag den ersten Meterhecht meines Lebens- zugegeben auf eine völlig wilde Methode (35gramm Bleikopf im 1.5 Meter tiefen Wasser- ich muss heute noch oft darüber schmunzeln). Aber glücklich war ich!
Als ich dann bei meinem nächsten Besuch noch einen 85 cm Zander erwischte, war alles zu spät…
Nun war der Jagdtrieb auf die großen Räuber endgültig ausgebrochen und ich versuchte ab jetzt an jede noch so kleine Information über dieses sagenhafte Gewässer zu gelangen, die meinen Weg zu dauerhaft erfolgreichen Fängen ebnen würde. Dabei stieß ich zwangsweise mit DEM Ostseehechtpionier schlechthin Stephan Hackbarth zusammen, der mich sofort unter seine Fittiche nahm. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an „Hacki“, mit dem ich in der folgenden Zeit viele wunderschöne Tage auf dem Peenestrom, sowie der sich anschließenden Ostsee und dem Greifswalder Bodden genießen durfte.

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Boddenlegende Hacki mit Hecht im Anschlag

Hacki war damals der Erste, der mit seinen angelhungrigen Touristen die Guidingszene an der Ostseeküste prägte. Und die Angler kamen: Und zwar aus den entlegensten Winkeln Deutschlands, sowie dem benachbarten Ausland. Beinahe jedes Jahr kratzte ein Hecht die magische 20 Kilogramm-Grenze an, oder durchbrach diese sogar. Und auch die gewaltigen Zanderfänge von Fischen nahe der Metermarke raubten einem Atem (Den Vogel abgeschossen hat ein Gast, der vor 2 Jahren an zwei Tagen am selben Spot 2 Meterzander fing. Das nenn ich mal echtes Glück – Klar das der Guide, in dem Fall Chrischie auch etwas dazu beigetragen hat. Meine Touren nach Usedom häuften sich und auch der Kontakt zu den Einheimischen wuchs ständig. Die zweieinhalb Stunden Fahrt von Berlin aus nahm ich gerne in Kauf dafür.

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Zander auf Gummi. Die Zielgruppe im Peenestrom

So, nun aber mal ein paar echte Fakts über dieses Gewässer und seine Eigenschaften:
Der Peenestrom ist wie der Name schon sagt ein Fließgewässer. Man hat es aber hier bei weitem nicht mit einem Fluss im klassischen Sinne zu tun, denn die Strömung und vor allem die Strömungsrichtung wird hier hauptsächlich durch den Wind bestimmt. Dies kann bedeuten, dass man an einem Tag „Einstrom“ vorfindet, am nächsten Tag aber wiederum mit Ausstrom zu „kämpfen“ hat. Also immer landein- beziehungsweise landauswärts. Stillstehendes Wasser hat meistens einen harten Angeltag zu bedeuten, da sich die Fische stark verteilen und nicht gezwungen sind, sich an markanten Strukturen einzustellen. Das heißt, dass der Hot Spot vom Vortag am nächsten Tag absolut unproduktiv sein kann, denn wir haben es hier mit echten Nomaden zu tun. Ebenfalls kann eine plötzlich zunehmende Strömung über Tag immer schwerere Bleiköpfe erforderlich machen. Wo man morgens entspannt mit einem 10gramm Kopf klarkam, wird man teilweise abends nicht mal mehr mit 30 Gramm den Grund richtig erreichen. Das verlangt Flexibilität und eine vernünftige Vorbereitung in der Materialfrage. Ich hatte solch schweren Köpfe (30-40 Gramm) erst mal gar nicht dabei, bei meinen ersten Touren. Ein fataler Fehler!
Hauptbeute unter den Spinnanglern sind nach wie vor Hecht und Zander. Aber auch der Flussbarsch, kommt, wenn man zur rechten Zeit am Start ist (oft im Spätherbst) teilweise in Massen vor. Wer dann, wie die Oldschool-Opis es dort immer machten, bevor sie das dropshotting für sich entdeckt haben, seinen Minitwister am Schwimmkpf über den Grund schleift, wird auf jeden Fall belohnt. Jedes Kind wird so seinen Barsch fangen und das meine ich auch so: Selbst für Anfänger ist diese megaeinfache Methode todsicher und macht sicher Jedem Spaß. No Action Barsche.

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Ein Foto aus älteren Tagen. Dickzander im Brackwasser sind einfach der Hammer!

Bei den Hechten kommt eigentlich die ganze Palette zum Einsatz. Ihr könnt sie beim Jerken im Flachwasser, auf große Spinnerbaits und eigentlich auch auf sonst jeden erdenklichen Kram fangen.

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Große Gummis können besonders im Winter am Peenestrom richtig punkten..

Ich angel persönlich am liebsten mit größeren Gummifischen am Bleikopf, um so noch die Chance auf eine der fetten Zandergranaten zu haben, mit denen wir es ja hier schließlich auch zu tun haben. Ein Stahlvorfach sollte wegen der vielen Hechte immer Pflicht sein! Ein weiterer Vorteil des aktiven Spinnfischens ist, das man mit einem vernünftigen Boot in der Lage ist, die Fische zu lokalisieren. Wie gesagt: Die Raubfische sind hier echte Vagabunden, die gefunden werden müssen. Sonst bleibt es bei Zufallsfängen. Meistens habe ich mir mit meinen Kumpels den Mietpreis für das Boot einfach geteilt und somit war das Ganze dann auch erschwinglich für den Geldbeutel. Außerdem waren wir so oft in der Lage die Topplätze schnell abzugrasen und mit unterschiedlichen Ködern rauszufinden, was denn am besten zieht am jeweiligen Tag.

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Zwei absolute Kultboote im Hafen von Zecherin – Baltic Fishing heißt das Zauberwort!

Wichtig zu erwähnen ist, dass oft salzhaltiges Brackwasser aus der Ostsee in den Bodden und von da aus Richtung Peenestrom gedrückt wird. Der hohe Salzgehalt sorgt somit für enorm hohe Abwachsraten der Fische, da sie ein breites Nahrungsspektrum an fetthaltigen Futterfischen vorfinden. Also keine Angst vor größeren Ködern.
Den Kontakt zu Einheimischen sollte man auf keinen Fall scheuen, denn jeder Tipp könnte Gold wert sein. Ich kenne selbst einige absolute Spinnangelprofis dort, die fast am Wasser wohnen und mir schon viele Ratschläge bezüglich Ködergröße –Farbe und Aufenthaltsorte der Zielfische geben konnten.

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Nordic Chantal querab von Karlshagen. Achtung Wellenschlag 🙂

Das Angelgerät sollte sich aus solidem und zuverlässigem Material zusammensetzen, da jederzeit der Fisch des Lebens beißen kann. In einer solchen Situation muss alles einwandfrei funktionieren, da man sonst sehr leicht mit dem Verlust eines Giganten rechnen muss, was Einen noch jahrelang ärgern kann. Kräftige Spinnruten von 2.40 – 2.70 Meter Länge, bestückt mit einer guten Rolle, welche mit mindestens 15er geflochtener Schnur bespult ist.
Bei den Gummifischen sollte jeder auf die Farbe seines Vertrauens setzen. Bei mir liefen Brauntöne oft sehr gut. Aber auch ein paar Schockfarben sollten im Gepäck für einen erfolgreichen Peenestrom Trip nicht fehlen. Ich halte hingegen die Ködergröße in dem hier vorzufindenden, meist recht trüben Wasser für ausschlaggebender. Es gilt hier: Lieber etwas größer, als zu popelig.
Dafür hat man ja immer die Chance auf einen richtig Kapitalen. Wenn das Wetter eine Angelei auf dem Bodden nicht zulässt, kann man auf dem Strom oft noch recht entspannt fischen.

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Ganz schöner Rummel in der Karlshagener Kurve

Als Hot Spots zu nennen wären:
Der Südhafen (in Wolgast), wo man aber unbedingt darauf achten sollte, sein Boot außerhalb der von den gelben Bojen markierten Linie festzumachen. Im Hafengelände selbst ist das Angeln (auch vom Ufer) leider verboten und es wird recht häufig kontrolliert.
Die Blaue Brücke, welche die Verbindung von Usedom zum Festland (Wolgast) darstellt. Ein bekannter Spot. Jedoch wird man sein „blaues Wunder“ erleben, da mit einem brutalen Hängeraufkommen gerechnet werden muss.

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Die „Victoria“ im Hafen von Zecherin. Hier liegen die Hot Spots nicht weit

Der Bereich querab von Karlshagen. Hier findet man etwas weniger strukturärmere Plätze vor, welche aber regelmäßig von den Fischen besucht werden.
Die Ecke um die „Marina Kröslin“. Verlässt man den Hafen, muss man gar nicht weit fahren um einen an einen guten Platz zu gelangen. Unter Wasser finden sich hier teilweise recht markante Steinhaufen, die den Räubern als Einstand dienen.
Ein Echolot ist auf diesem abwechslungsreichen Gewässer natürlich Pflicht. Nur so lassen sich zum Beispiel die Hot Spots und Futterfischschwärme ausfindig machen.
Wen es hinaus auf die Ostsee zieht, der sollte sich nur in die Hände von Profis begeben. Es passieren jährlich Unfälle mit nicht rauwassertauglichen Booten, die schwer enden können, wenn niemand in der Nähe ist, der einem helfen kann. Mit einem guten Guide kann man dann entspannt auf Meerforelle oder Dorsch angeln oder im Winter das immer beliebter werdende Trolling auf den atlantischen Lachs ausüben. Bevor Ihr eine Tour plant, meldet euch bei einem der etablierten Reiseveranstalter. Die helfen euch mit Tipps und haben immer Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe. Weil so ein Trip ja auch ein paar Euro kostet, sollte man sich auf jeden Fall vorher erkundigen und nicht einfach losfahren. Aber das sollte im Zeitalter des Internets für Viele ja selbstverständlich sein.

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In der Marina Kröslin gibt es sogar schwimmende Unterkünfte – Perfekt für den kombinierten Familien- und Angelurlaub

Außerdem auf der Insel zu finden: Viele angelfreie Aktivitäten für die Familie (Reiterhöfe, Rundflüge, Schiffsausflüge usw.) sowie nette Restaurants und natürlich viel Strand.
So, jetzt hoffe ich, dass ich nicht zu viel Euphorie versprüht habe, denn eines ist klar: Für einen großen Fisch muss man bereit sein zu kämpfen und Zeit zu opfern. Nicht nur ich bin manchmal ohne einen einzigen Schnipser wieder nach Hause gefahren. Aber es gibt sie, Die Peenestrom- Monster. Und eines Tages wird eins davon bei euch am Band hängen. Das verspreche ich euch!

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Hecht aus Karlshagen – hier stehen sie fast immer

Wenn ihr Infos bezüglich Guides, Mietbooten und Unterkünften braucht, dann könnt ihr entweder in die Kommentare schreiben, oder das Kontaktformular über den WFT-Blog nutzen. Nur soviel: Bei den Jungs von Baltic Fishing in Zecherin bekommt ihr alles aus einer Hand.

Viele Grüße und Petri Heil am Peenestrom

 

euer David Wenzel

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