Widerhaken beim Zanderangeln- Mehr Fisch durch weniger Haken

Hi Leute,

ihr angelt gern mit Bleikopf und Gummifisch auf Zander? Dann lest euch folgende Zeilen durch. Gerade große Zander haben harte, knochige Mäuler. Im folgenden, kleinen Bericht geht es um keine wilde Theorie sondern um einen ganz klar nachvolziehbaren physikalischen Vorgang…Ein Widerhaken soll doch eigentlich verhindern, dass sich ein angehakter Fisch vom Haken befreit. Doch die Sache hat einen kleinen Haken… (was ein orginelles Wortspiel, „räusper“)

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Wieder einmal war es ein Karpfenangler, dem ich einen neuen Denkanstoß zu verdanken habe. Frank, der gerne an einem schwierigen, weil andauernd behämmerten Karpfengewässer in Ungarn angelt (Dort lebt der aktuelle Weltrekord- Ein Mastschwein sondergleichen), hat mich vor einigen Jahren darauf hingewiesen: „Lass den Widerhaken weg“. Auch wenn ich selber dort nie gefischt habe, hat mir das zu denken gegeben. Er fängt (hakt) mehr Fische durch barbless Hooks, wie sie auf englisch genannt werden. Die erfahrenen Karpfen können den Haken schlechter abschütteln, weil er schon bei wenig Druck voll druchdringt.

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Jetzt werden einige sagen: „Bei mir klappt das alles super mit den Zandern, auch mit Widerhaken“. Schon klar, aber warum hat man denn überhaupt Austeiger? Oder, gibt es jemanden, dem das Phänomen Austeiger beim Zanderangeln unbekannt ist? Ich denke nicht… Über ein ganzes Jahr gesehen verabschieden sich viele Fische (oft die großen, nicht wahr?) nach kurzem Kopfschütteln wieder. Das ist immer sehr ärgerlich. Gerade, wenn man auf einen richtigen Big Fish aus ist.

Nur ein kleiner Denkanstoß.

Stellt euch folgende, etwas extreme Situation als Beispiel vor: Man angelt mit Gummifische auf Zander, die Bedingungen sind schwierig. Wind, Strömung (im Fluss), 8 Meter Wassertiefe, und fischt auf volle Wurfweite (sagen wir mal 60 Meter). Im ersten anjiggen kommt der Hammerbiss. Die Schnur flitzt zur Seite weg und wir schlagen voll drauf… Voll drauf?? Aber was kommt am Ende an Kraft wirklich an? Ein doppleter (dreifacher- die Schnur zeigt ja auch nicht diagonal zum Köder sondern entwickelt „Bäuche“ beim absinken) Schnurbogen lässt viel Kraft verpuffen, der Haken dringt bis zum Anfang des Widerhakens ein und bleibt dort „stecken“, rutscht aber nicht weiter. Auch wenn der unglaubliche Hulk höchstpersönlich antrommelt, geht immer etwas an Kraft flöten. Kann es sein, dass wir in bestimmten Situationen mehr Fische haken, obwohl wir keinen Widerhaken verwenden? Dringt der Haken evtl nur bis zum Widerhaken ein und bleibt dann dort kleben?? Auweia, wenn dem so ist, hat es der Fisch gerade bei höheren Jigkopfgewichten viel leichter, den Haken wieder abzuschütteln und sich zu lösen. Normalerweise sollte der Widerhaken helfen weniger Fische zu verlieren/also mehr zu fangen, aber könnte es vielleicht sein dass die Biss/Fangausbeute auf lange Sicht höher ausfällt, wenn wir den Widerhaken von vorn herein deaktivieren?

Es geht alles ums eindringen

Man stelle sich vor Jighaken wären von Hause aus ohne Widerhaken (nicht an oder abgeknipst) der Haken sollte doch eigentlich durchrutschen wie ein Zäpfen? Nun liegt es zwar an uns den Kontakt zu halten, aber der Haken ist bereits bis zum Bogen durchgerutscht und nicht am Anfang des Widerhakens „hängen geblieben“. Man kann anschlagen, wie man will. Ich persönlich denke, mehr Fische durch weniger Widerstand. Könnte das ein neuer Weg in der modernen Zanderangelei sein? Schließlich sind Zander keine springenden Monster wie etwa ein karibischer Tarpon, sondern relativ kontrolierbar im Drill. Nur äußerst selten schießen sie auf uns zu.

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Ganz schön wuchtig der Widerhaken auf den oberen Bilern (zur Veranschaulichung wurden Meereshaken verwendet)

Ein bereits gehakter Fisch kann strampeln, soviel er will. Wenn die Schnur stets straff gespannt ist, wird er kaum austeigen.
das gilt natürlich für alle Haken. Bei Drillingen macht es ebenfalls Sinn die Widerhaken anzuknipsen, weil man die Fische leichter abhaken kann, aber gerade bei Jigköpfen (größeren Einzelhaken) wo nur ein Haken durchdringen kann und muss, ist es einen Versuch wert. Einige Angler (wir nennen sie die „fair-play Fraktion“) verzichten bewusst auf Stinger beim Gummifischangeln auf Zander. Das wäre natürlich die ideale Hauptzielgruppe für diesen neuen Weg.

 Mehr Widerhaken gleich mehr Widerstand

Eventuell ist es wirklich Zeit zum Umdenken. Schließlich ist es nur ein klitzekleines Detail, das aber auf lange Sicht große Wirkung zeigen könnte. Ich rechne hierbei in Jahren. Es geht hierbei wirklich eher weniger um das Wohl unserer Lieblinge, als ganz egoistisch um eine höhere Anhak/Fangquote für uns selber.
Eine gespannte Schnur beim Drillen ist für alle von uns selbstverständlich und wird instinktiv gehalten. Insofern sollten wir nun weniger Fische verlieren.

Beim Abhaken der Fische wird man es ebenfalls merken: Ein Haken der schneller aushakt, dringt auch schneller ein. Wieviel Kilogramm Kraft ist nötig, um einen Haken voll durchzuschlagen? Dies zu messen, war ich leider zu faul. Aber der Unterschied ist ganz sicher eklatant. Übrigens finde ich das Abhak-Argument spricht ebenfalls für das Abrüsten des Widerhakens. Gerade kleine Fische sind oft an ziemlich delikaten Stellen gehakt (ich denke, die meisten wissen, wie ich das meine). Somit fällt auch der ganze Abhakprozess viel schneller aus. Unglückliches „rumrütteln“ am Haken, um diesen zu befreien, fällt somit weg.

Ich denke, ein Versuch mit dem Verzicht vom Widerhaken ist es generell bei vielen Angelmethoden Wert und tut niemandem weh. Man braucht hierfür lediglich eine Zange. Und eventuell rettet euch dieser kleine Schritt auch irgendwann mal den Zander eures Lebens.

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Viele Grüße und weniger Austeiger beim Zanderangeln wünscht euch…

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David Wenzel

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