Wolfsbarsche in Rotterdam – Holland 2015 – Eine heldenhaft erscheinende Angeltour

Hallo liebe WFT Freunde,

Ein Lebenszeichen aus der WFT-Redaktion
Wolfsbarsch- Kulinarische Höhepunkte in Holland und andere glorreich bezwungene Abenteuer…

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Normalerweise berichten wir an dieser Stelle natürlich am liebsten über neues Angelgerät und/oder unsere größten Erfolge bei unseren Angelausflügen, aber manchmal ist genau das etwas schwierig, weil es eben nicht immer so läuft, wie man sich das als erfolgsverwöhnter Großfischangler oft vorstellt. 
Na klar, Misserfolge gehören zu unserem Hobby wie Staus auf Autobahnen- Niemand will sie, aber manchmal sind sie eben nicht zu vermeiden.
Aber erstmal von Anfang an:

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Dies sollte ein echtes BonBon für unsere WFT Blog-Leser werden. Auch auf diesem Angeltrip wollten wir uns wieder mit Trophäenfotos brüstend, auf denen mit Rekordfischen posierend, dabei das neuste Angelgerät präsentierend, uns im Blitzlich der Kamera sonnend um uns schließlich mit dem Neid der anderen Angler schmückend auf den Heimweg zu begeben. Aber gut…

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Lecker: Direkt über dem örtlichen  Pizza Hut hatten wir unsere Wolfsbarsch-Zentrale eingerichtet
Der Sommer gehört bekanntermaßen zur besten Zeit auf die nicht erst seit gestern so beliebten Wolfsbarsche. Zahlreiche Angler zieht es an die deutsche und holländische Nordseeküste um Jagd auf die silbernen Räuber zu machen. So hatten auch wir drei Spezialisten eine Tour auf die begehrten Salzwasserbarsche in Planung, als wir uns schon im zeitigen Frühjahr für eben diese verabredet hatten.

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Uns bereits schon in Siegerpose wähnend (Achtung: Diese leicht verwirrende Ausdrucksform wird ab jetzt zur Gewohnheit), lächelnd in die Kameralinse blickend und vor unserem geistigen Auge triumphierend mit vielen Erfolgsstorys im Gepäck wieder heimfahrend (Die Arme vom Drillen natürlich leicht schmerzend) packten wir also unsere 7 Sachen und machten uns auf die immerhin 700 Kilometer lange Fahrt nach Rotterdam zum weltweit berüchtigten Europoort nach Rotterdam. Der wohl beste Wolfsbarschspot Europas, wenn nicht sogar weltweit. Sozusagen die Freybrücke Rotterdams. Oder zumindest der Kupfergraben. Auf jeden Fall DIE Topadresse für wolfsbarschhungrige Touristen aus aller Welt wie uns.
Das sollte UNSERE Tour werden. Unter 80 Zentimeter wollten wir die Barsche nicht mal fotografieren bzw. sie gleich im Wasser abhaken. Hier sollten Rekordfische fallen. Und nicht nur nationale, sondern gleich am liebsten Welt- bzw. All tackle, oder bis in alle Ewigkeit geltende Schnurklassenrekorde. Soviel zur Theorie…

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Wie schaffen es diese Menschen alles zu frittieren? Respekt! Ich meine, ich finde es genial und nachahmenswert, aber das muss doch ungesund sein, wenn man es mal auf ein Menschenleben hochrechnet. Wobei ich sagen muss, ich war nach den 4 Tagen wirklich auf den Geschmack gekommen. Lustig und lecker gleichzeitig.
Beste Vorbereitungen für den Jahrhundert-Trip (Selbst Rob Wolfsbarsch himself wäre sicher verblüfft ob so viel professionelle Vorbereitung und in kurzer Zeit angelerntes Fachwissen). Nur einer von uns dreien hatte nämlich echte Erfahrungen in diesem Bereich. Ich persönlich wollte es wie ein gewisser Herr Böhringer machen und sofort die ganz große Nummer schießen (inkl. einem rituellen Siegestanz).

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Da ja Angelspot, Mondphase und Jahreszeit perfekt zu sein schienen, musste folglich nur noch das Wetter mitspielen. Da wir nur an diesem Termin Zeit hatten, konnten wir also nichts verschieben.
Gleich beim Eintreffen in Rotterdam gab es zur Begrüßung eine Runde Gruppen-Yoga am Moritzplatz bei bestem Wetter direkt vor unserem Fenster. Und manch einer von uns konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, von oben aus am Fenster dabei mitzumachen. Da war dann auch die kleine gepflegte Massen- Klopperei vor der Disko kurz vorher ganz schnell wieder vergessen. Nein- wir waren auch hierbei nicht aktiv involviert, sondern nur als Zaungast tätig.

 

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Mezut und die Badelatsche
Die mit Sichereit ordnungsgemäß versteuerten 600€ für das Appartment in seiner Khaki-Shorts verstauend, den beflipflopten Fuß schwingend, fröhlich davontrabend und uns noch freundlich darauf hinweisend, dass bitte ausschließlich im „Bazar“ gespeist werden würde, welches wohl das beste Lokal am Platz wäre und natürlich nur rein zufällig auch ihm selbst gehören würde (letzteres war allerdings nur eine Vermutung von uns selber), verließ unser Vermieter Mezut das doppelstöckige Appartment am Moritzplatz.

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Gab es hier wirklich das beste Essen in ganz Rotterdam City?
Erste Eindrücke- Endlose Wege zum Wasser jeden Tag durch apokalyptische anmutende Endzeit-Hafengelände. So fuhren wir allmorgendlich, den Blick nicht vom spektakulären Panorama abwenden könnend, durch die Weite dieses riesigen Hafens. Eine geschlagene Stunde jeden Tag hin und zurück aus dem Rotterdamer Zentrum. Wenn man die Tour zweimal hin und zurück macht, so wäre dies als sportlich zu bezeichnen.
Die beste Story hat sich in einem kleine Frittier-Imbiss abgespielt: Serviettenalarm im „Het Kompas“. Dass erstaunlich viele unserer Erlebnisse dieser Tour mit Bier zu tun haben, ist wohl dem schlechten Wetter zuzuschulden, wo wir doch normalerweise den Kopf immer frisch und den Erfolg im Visier habend und… naja, es wurde beinahe jendenfalls wieder handgreiflich und für uns etwas stark peinlich. Unter großem Gelächter einiger Anwesender und den leicht abschätzigen Blicken der anderen betreten dreinschauenden Gäste (natürlich waren alles einheimische) leidend, dachte ich mir, ich müsste mir die Serviette, die sie mir immer zuzustecken versuchend, wie einen Latz ummachen müsste, was ich sofort auch an meine Mitstreter weitergab, oder es kurzerhand selber bei ihnen vornahm. Daraufhin fand es die Bedienung des Ladens gar nicht mehr so spaßig mit uns und begann Worte wie „POLIZEI“ und „REGIERUNG“ in den Mund zu nehmen und ich wusste nicht weiter. Sollte das das Ende unserer Wolfsbarschtour sein. Verschollen in Rotterdamer Hochsicherheitsgefängnis?  Kurz darauf war klar, dass man im sonst so tolleranten Holland sein Bier immer mit einer Serviette zu verdecken hatte in der Öffentlichkeit. Was für ein großer Schreck an diesem sonst so netten, wenn auch diesmal für alle fischlosen Angeltag im Rottterdamer Hafen…

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Achtung rechtswidrig: Unbekleidetes Bier beim angeln vom Ufer. Ohne Serviettenröckchen kann daraus ein teurer Spaß werden. Von eventuellen Haftmaßnahmen bis sofortigem und lebenslangem Vispass-Entzug gingen unsere persönlichen Mutmaßungen. Ich weiß nicht mal, ob dieses Foto hier legal ist…
Beim abendlichen Speiseausflug ins nahegelegene „Betty Beer“ stellte sich heraus, dass genau heute(!) anscheinend Rippchen Tag war. Was für ein Glück und was für ein irrer Zufall. Das heißt also „all you can eat“ für alle von uns bis der Arzt kommt. In Vorfreude schwellend und fröhlich bestellend äußerte Ingo schon die Vermutung, dass daraus durchaus auch ein „all you can wait“ Abend werden könnte, wenn wir Pech hätten – Er hattte wohl schon Erfahrungen sammeln können zu dem Thema – Und genau ein eben solcher wurde es dann auch. Pünktlich jede Stunde wurde einige Rippchen auf Tellerchen unter dem hungrigen Publikum verteilt. Das „Bazar“ vermissend, jedoch sich dadurch unsere gute Laune nicht verderben lassend, beglückten wir unsere trockenen Kehlen mit einigen Bieren, die in etwa zahnputzbechergroßen Gläsern serviert wurden von denen wir annehmend, dass eines sicher mindestens 4 Euro kosten würde, erst zögerlich bestellend, uns aber doch nach der allmählich eintretenden Wirkung eben jenes Gebräus aber im Enddeffekt doch, alle Vorsicht über den Haufen werfend, für einen etwas ausgedehnteren Abend entscheidend, um am Ende bei Empfangnehmen der Rechnung doch positiv überrascht zur Kenntnis nehmend, dass ein Bier wahrscheinlich nicht mal einen Euro gekostet haben kann. Immerhin also nicht komplett abgezogen worden war das allgemeine Grundgefühl beim verlassen des Lokals.

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Lunchtime- Schnell eine Frikadelle mit Majo vom Automatik Speziaaltje zur Notfallstärkung
Und dann kam er: Der Regen… Regen, Regen und nochmals Regen. Immer wieder brachte der kräftige Sturm große Regenfelder über uns her. Genau hiervon habe ich allerdings kein Foto. Das ist aber auch völlig egal, denn ich hatte in sagenhaften dreieinhalb – in Worten DREIEINHALB! Angeltagen nicht mal einen Fehlbiss, geschweige denn Nachläufer!

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Werfen, werfen werfen…

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und Schwäne, Schwäne Schwäne… Sollten doch genau sie den Weg zu den Hot Spots für den Zeebaars weisen. Diesmal hat es nicht geklappt…
Ich habe das komplette, japanische Maria- Seabass Programm durchgewechselt und konnte in dreieinhalb Tagen nicht mal einen Fehlbiss verzeichnen. Ähnlich gut lief es bei Ingo. Der hatte immerhin gleich am ersten Tag mal kurz die Mutter aller Finten am Haken, bevor sich diese von selbigem befreien konnte- Die Überfinte sozusagen- Oder war es doch ein gigantischer XXXL Maifisch? Ingo selbst geht bis heute von einem 3-4 Kilogramm schweren Wolfsbarsch aus… Wir werden es niemals erfahren. Ich persönlich glaube, er könnte mit der Woba-Vermutung bei diesem Fisch gar nicht so falsch gelegen haben. Wir haben jedenfalls vor lachen fast am Boden gelegen bei den Spekulationen über diesen leider kurzen Drill.
Den Tidenhub immer im Auge habend und niemals vernachlässigend, völlig durchgerockt vom Schlafentzug die geschundenen Leiber, die Zähne zusammen kneifend in aller Herrgottsfrühe in die noch feuchtklamme Regenbekleidung quetschend… und so weiter und so fort…

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Aber es half alles nichts. Zum Glück konnte Barsch-Ultra Leo am Ende doch noch 2 echte Wölfe verhaften und so die komplette Schmach von uns abhalten.
Und dann die Schmach auf der Rückfahrt durch einen Blick auf die nun eintreffenden Endstandsmeldungen (warum geht whats app bei nicht in Holland- Ingo, hast du es inzwischen rausgefunden?) daheimgebliebenen Angelkumpels ertragend. „Na, haste wieder nüscht jefangen“?

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Bis nächstes Jahr, wenn es wieder heißt. Willkommen zum feuchtfröhlichen Wolfsbarschblanken in Rotterdamer Superhafen (Dabei den Sturm und Regen im Gesicht natürlich bewusst ignorierend).
P.S. Ebenfalls ein Highlite war unsere Funk-Toilettenspülung. Sie machte jeden Gang aufs stille Örtchen zum absoluten Schlapplach-Event, weil keiner von uns so etwas schon mal zu Gesicht bekommen hatte. Man kam sich beim Abdrücken immer unwillkürlich wie ein kleiner Terrorist vor. Ich hoffe, das geht niemandem zu nahe. Übrigens wurden einige der verwendeten Fotos mit dem Handy geknipst. Ich bitte dies zu entschuldigen.

Zurück bleiben tolle Erinnerungen an eine geniale Stadt in einem verrückten Land mit einigen netten Menschen.

Viel Erfolg am Wasser von euerem wolfsbarschangelverrückten

David Wenzel

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4 Comments. Leave new

Hi, ja so kann’s gehen. Der Woba ist wählerisch. Sehr sogar. Du musst sein Futter exakt imitieren. Farben und Führung sind das A und O.
Standplätze? Egal. Wo Steine, Felsen, Strömung ist, findest du sie.
Der Unterschied zwischen Maifisch und Woba ist-> der Maifisch springt bei dem Drill aus dem Wasser (dadaurch hebelt sich oft auch der Haken aus). Wenn du aber einen Woba hakst, merkst du den Unterschied. Selbst 40er Fische machen einen Wahnsinnsterz und gehen in die Bremse. Freude pur nä. 😉

Es sind wunderschöne Fische und dafür lohnt sich solche Tour immer!
Viel Erfolg!

Antworten

Hi,

vielen Dank für deine Tipps und deinen Kommentar! Wir werden im nächsten Jahr definitiv wieder kommen. Ganz sicher!

Alles gute für dich und Petri!

Antworten

Boah, da habt Ihr ja eine Packung kassiert. Dies Jahr ist aber wirklich nicht ganz so einfach mit den Wobas. War (IST???) eine recht kurze Saison. Wenn Ihr mal Schützenhilfe benötigt, meldet euch.

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David Wenzel
5 Oktober 2015 09:35

Hi Marco,

ja, das war echt ne harte Niederlage.. Aber es wär ja auch zu schön gewesen, wenn es gleich beim ersten Mal knallt.

Danke für deine angebotene Hilfe. Wir werden evtl. im nächsten Jahr darauf zurück kommen!

Machs gut und viel Erfolg am Wasser!

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